Each-Way-Wette im Golf: Funktionsweise, Berechnung und Einsatzlogik

Updated Juli 2026
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Each-Way-Wette im Golf mit Berechnung und Auszahlungsbeispiel

Wer auf den Turniersieger eines Golfevents setzt, braucht starke Nerven. Bei Feldern mit 150 und mehr Teilnehmern liegt die implizite Wahrscheinlichkeit selbst für den Topfavoriten zwischen 6 und 9 Prozent — in der Fußballwelt wäre das ein Außenseiter, über den niemand ernsthaft nachdenken würde. Genau hier kommt die Each-Way-Wette ins Spiel, und nach neun Jahren in der Quotenanalyse sage ich: Kein anderes Wettformat passt so gut zum Charakter des Golfsports wie dieses.

Die Each-Way-Wette ist im Grunde eine Doppelwette. Sie besteht aus zwei gleich großen Teilen — einem Einsatz auf den Turniersieg und einem Einsatz auf eine Platzierung, typischerweise Top-5, Top-6 oder Top-8. Der Reiz liegt darin, dass ich auch dann eine Auszahlung erhalte, wenn mein Spieler nicht gewinnt, aber unter den besten Platzierten landet. Gerade bei Golfquoten, die strukturell hoch sind, ergibt sich daraus eine attraktive Absicherung gegen die brutale Varianz des Sports.

In Deutschland ist das Thema allerdings etwas komplizierter, weil die GGL-Regulierung den Wettmarkt auf bestimmte Formate einschränkt. Nicht jeder Anbieter mit deutscher Lizenz bietet Each-Way-Optionen für Golf an, und die Konditionen unterscheiden sich erheblich. Ich erkläre hier, wie die Mechanik funktioniert, rechne ein konkretes Beispiel durch und zeige, wann sich Each Way tatsächlich lohnt — und wann nicht.

So funktioniert die Each-Way-Wette im Golf

Vor Jahren habe ich einem Freund die Each-Way-Wette erklärt und dabei den Vergleich mit einer Versicherung benutzt. Das war ein Fehler — denn eine Versicherung kostet Geld, während der Platzierungsteil einer Each-Way-Wette eigenständigen Wert hat. Seitdem verwende ich eine bessere Analogie: Die Each-Way-Wette ist wie zwei separate Wetten auf demselben Wettschein, die zusammen mehr ergeben als die Summe ihrer Teile.

Der erste Teil ist die klassische Siegwette. Ich setze darauf, dass ein bestimmter Spieler das Turnier gewinnt. Die Quote entspricht der regulären Outright-Quote des Anbieters — bei einem Topfavoriten eines Majors also irgendwo zwischen 11,0 und 17,0. Der zweite Teil ist die Platzierungswette, und hier wird es interessant: Der Anbieter definiert einen Platzierungsbereich, zum Beispiel Top-5, und berechnet dafür eine reduzierte Quote. Üblich ist ein Viertel oder ein Fünftel der Siegquote.

Wenn ich also 10 Euro Each Way setze, investiere ich tatsächlich 20 Euro — 10 Euro auf den Sieg, 10 Euro auf die Platzierung. Das ist ein Punkt, den Einsteiger regelmäßig übersehen: Der angezeigte Einsatz verdoppelt sich. Gewinnt mein Spieler das Turnier, werden beide Teile ausgezahlt. Landet er innerhalb des Platzierungsbereichs, aber nicht auf Platz eins, erhalte ich nur die Platzierungsauszahlung. Verpasst er die Platzierung komplett, verliere ich den gesamten Einsatz.

Die Konditionen variieren je nach Turniergröße und Anbieter. Bei Majors mit großen Feldern bieten manche Anbieter Top-8 oder sogar Top-10 als Platzierungsbereich an, bei kleineren Events oft nur Top-5. Auch der Quotenteiler schwankt — ein Viertel der Siegquote ist Standard, aber ich habe auch Angebote mit einem Fünftel gesehen. Diese Details machen einen erheblichen Unterschied für die Rentabilität, weshalb ein genauer Blick auf die Konditionen unverzichtbar ist.

Im Vergleich zu einer reinen Platzierungswette bietet Each Way den Vorteil, dass bei einem Turniersieg beide Teile greifen. Die Platzierungswette allein hätte zwar den günstigeren Gesamteinsatz, liefert aber im Erfolgsfall deutlich weniger. Die Entscheidung zwischen beiden Formaten hängt davon ab, wie ich die Siegchance meines Spielers einschätze — ein Thema, auf das ich noch zurückkomme.

Berechnung und Auszahlung: Ein konkretes Beispiel

Zahlen sagen mehr als Beschreibungen, also rechne ich ein realistisches Szenario durch. Die Outright-Quote des Spielers liegt bei 15,0 — das entspricht einer impliziten Siegwahrscheinlichkeit von etwa 6,7 Prozent, ein typischer Wert für einen Golffavoriten. Der Anbieter bietet Each Way mit Top-5-Platzierung und einem Quotenteiler von einem Viertel.

Mein Einsatz: 10 Euro Each Way, also 20 Euro Gesamtinvestition. 10 Euro auf den Sieg zu Quote 15,0. 10 Euro auf Top-5 zu Quote 3,75 (ein Viertel von 15,0).

Szenario eins — der Spieler gewinnt das Turnier: Siegteil zahlt 10 Euro mal 15,0 gleich 150 Euro. Platzierungsteil zahlt ebenfalls, weil Platz 1 innerhalb von Top-5 liegt: 10 Euro mal 3,75 gleich 37,50 Euro. Gesamtauszahlung: 187,50 Euro bei 20 Euro Einsatz. Der Nettogewinn beträgt 167,50 Euro.

Szenario zwei — der Spieler wird Dritter: Siegteil verliert, Auszahlung null. Platzierungsteil zahlt: 10 Euro mal 3,75 gleich 37,50 Euro. Nettogewinn: 17,50 Euro. Trotz eines verpassten Siegs stehe ich im Plus.

Szenario drei — der Spieler wird Achter: Beide Teile verlieren, Gesamtverlust 20 Euro. Das passiert häufiger, als man denkt, denn selbst gute Spieler landen bei einem Major regelmäßig außerhalb der Top-5.

Der Vergleich mit einer reinen Siegwette macht den Unterschied deutlich: 20 Euro direkt auf den Sieg zu Quote 15,0 hätten bei einem Turniersieg 300 Euro ausgezahlt — deutlich mehr als die 187,50 Euro der Each-Way-Variante. Dafür wäre bei Platz drei der Totalverlust die Folge. Each Way tauscht also Gewinnpotenzial gegen Absicherung — und bei Golf, wo die Varianz extrem hoch ist, kann das ein sinnvoller Tausch sein.

Die Sportwettensteuer von 5,3 Prozent auf den Einsatz kommt bei beiden Varianten hinzu. Bei 20 Euro Each Way sind das 1,06 Euro, die entweder vom Einsatz abgezogen oder auf die Quote umgelegt werden, je nach Anbieter. Das reduziert die effektive Rendite geringfügig, ändert aber die Grundlogik nicht.

Wann lohnt sich Each Way bei Golfwetten?

Ich erinnere mich an ein Masters, bei dem ich einen Spieler zu Quote 26,0 auf dem Schirm hatte. Meine Analyse zeigte eine realistische Siegchance von etwa 5 Prozent, aber eine Platzierungswahrscheinlichkeit im Top-5-Bereich von geschätzten 22 Prozent. Das ist genau die Konstellation, in der Each Way seine Stärke ausspielt: Die Platzierungskomponente trägt den Wert der Wette, und der Siegteil ist ein kosteneffizientes Bonusticket.

Grundsätzlich gilt: Each Way ist dann sinnvoll, wenn das Verhältnis zwischen Sieg- und Platzierungswahrscheinlichkeit stimmt. Bei einem Spieler, der solide in die Top-5 kommen kann, aber gegen die absolute Spitze wenig Siegchance hat, liefert die Platzierungskomponente eigenständigen Value. Der Schlüssel liegt in der Einschätzung der Platzierungswahrscheinlichkeit — und dafür brauche ich Daten. Strokes-Gained-Profile, Kurshistorie und aktuelle Form geben mir die Basis für eine fundierte Schätzung.

Weniger sinnvoll ist Each Way bei niedrigen Outright-Quoten. Liegt die Siegquote bei 8,0, beträgt die Platzierungsquote nur 2,0 — das ist ein magerer Ertrag für den halben Einsatz. In solchen Fällen ist eine direkte Platzierungswette oder eine Head-to-Head-Wette oft die bessere Wahl, weil ich den gesamten Einsatz auf eine realistische Einschätzung konzentriere, statt ihn aufzuteilen.

Die Größe des Feldes spielt ebenfalls eine Rolle. Bei Turnieren mit 156 Teilnehmern sind die Outright-Quoten naturgemäß höher, was den Platzierungsteil wertvoller macht. Bei kleineren Events mit 72 oder 78 Spielern schrumpft der Quotenvorteil, und Each Way verliert seinen strukturellen Reiz. Auch der Platzierungsbereich des Anbieters ist entscheidend: Top-8 bei einem Major ist erheblich attraktiver als Top-5 bei einem regulären Tour-Event.

Ein Fehler, den ich in meinen ersten Jahren gemacht habe: Each Way als Standardformat für jede Golfwette nutzen. Das ist falsch. Each Way ist ein Werkzeug für bestimmte Situationen — wenn die Platzierungsquote Value bietet und die Feldgröße die Struktur rechtfertigt. In allen anderen Fällen gibt es effizientere Wettarten, die den Einsatz gezielter einsetzen.

Letztlich hängt die Entscheidung von der eigenen Bankroll-Strategie ab. Each Way verdoppelt den effektiven Einsatz pro Wette, was bei begrenztem Budget schnell ins Gewicht fällt. Wer fünf Spieler pro Turnier Each Way spielt, investiert zehn Einheiten statt fünf. Das muss in die Gesamtplanung einfließen, sonst wird die vermeintliche Absicherung zum Risikofaktor.

Kann ich Each-Way-Wetten bei allen deutschen Wettanbietern platzieren?
Nicht alle Anbieter mit GGL-Lizenz bieten Each-Way-Optionen für Golf an. Die Verfügbarkeit hängt vom jeweiligen Anbieter und vom Turnier ab. Vor der Wettabgabe lohnt sich ein Blick auf die konkreten Konditionen — Platzierungsbereich und Quotenteiler unterscheiden sich erheblich.
Gilt Each Way auch für Head-to-Head-Wetten?
Nein, Each Way ist ein Format für Outright-Märkte, also Turniersiegerwetten. Head-to-Head-Wetten haben nur zwei mögliche Ergebnisse und bieten daher keinen Platzierungsbereich. Für H2H-Märkte gelten eigene Regeln, insbesondere bei einem Cut.

Erstellt vom Redaktionsteam „GREENFLAG".